Lutherkirche Wiesbaden

O Lord hear my Prayer

Gebete in dieser Zeit

Ein innerer Dialog zum 8. Mai
von Sabine Müller Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW, Frankfurt am Main
8. Mai 1945
Wie war es, das Kriegsende?
War dann Frieden?
„Da fing das Elend erst an:
Ausgebombt, keine Wohnung,
der Mann tot, das Kind allein,
Schutt und Asche als Arbeit.“
Sagte meine Oma, die Kriegerwitwe.
Mir sind Bilder im Kopf,
von den zerstörten Städten,
von den Flüchtlingstrecks.
Geschichten von vergewaltigten Frauen
und den Kindern, die im Schutt spielten.
„War ein guter Spielplatz.“
Sagt mein Vater, das Kriegskind.
Kaum auszuhalten die Bilder
aus den befreiten Konzentrationslagern.
Die ausgemergelten Menschen.
So viel Bosheit und menschliches Vermögen,
grausam und böse zu sein.
Immer noch, immer wieder erfüllt mich das mit Scham.
„Ein Tag der Befreiung ist der 8. Mai,
von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“
Sagte der alte Bundespräsident Richard von Weizsäcker.
8. Mai 2020
Ich bin im Frieden aufgewachsen.
Seit 75 Jahren kein Krieg in meinem Land.
Dankbar bin ich.
Und höre in den Nachrichten:
Weltweit sind die Militärausgaben gestiegen.
Deutschland erhöht sie in diesem Jahr um 10 %,
das sind fast 50 Milliarden US-Dollar.
Und das im Jahr 2020.
Mit einer Corona-Pandemie.
Sie trifft die Schwachen zuerst:
Die Alten, die Hungernden.
António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, sagt:
„Wir müssen die Krankheit des Krieges beenden
und die Krankheiten bekämpfen, die unsere Welt verwüstet.
Es beginnt damit, dass wir die Kämpfe überall stoppen.
Und zwar sofort.“
© Zentrum Verkündigung der EKHN

 

Gebet zu Johannes 19,5  in Zeiten des Coronavirus
von Doris Joachim Referentin für Gottesdienst im Zentrum Verkündigung der EKHN
Seht, welch ein Mensch!
Über dich, Christus, hat man das gesagt. Als du da gestanden bist. Zum Tode verurteilt. Mit Dornenkrone auf dem Kopf. Wehrlos. Verspottet. Geschlagen.
Seht, welch ein Mensch!
Manchmal, da wünschte ich, du wärest mächtiger.  Allmächtig gegen das Virus, gegen die Kriege, gegen den Egoismus. So bist du nicht.  Du stellst dich nicht über uns. Du stehst neben uns.
Seht, welch ein Mensch!
Ich sehe dich. Und fühl mich nah. Ich weiß nicht, wie das kommt. Mehr Gefühl als Gedanke. Eine Rührung, die tröstet.  Und stärkt. Und in Bewegung bringt. Die verbinden kann – trotz Abstandsregeln.
Seht, welch ein Mensch! Seht, welch ein Gott!
Du bist uns nah, du Mensch, du Gott. Du bist bei jedem Menschenkind. Auf den Intensivstationen, in Italien, in Spanien, bei uns. In einsamen Wohnungen. Auf der Straße bei Menschen ohne Hoffnung. Bei allen, die in Angst sind und in Sorge.
Bring ihnen die Liebe mit. Und Menschen, die sie stärken: Die die Kranken pflegen. Die uns mit Lebensmitteln versorgen. Die nach Medikamenten forschen. Die uns regieren und Lösungen suchen. Die Zuversicht verbreiten. Und so viele andere, die sich einsetzen. Erschöpft und doch voller Kraft.
Seht welche Menschen!
Bleib du bei ihnen. Bleib du bei uns, du Mensch, du Gott. Berühre und bewege uns. Damit wir mutig durch diese Zeit kommen.
© Zentrum Verkündigung der EKHN

 

Persönliches Beichtgebet am Karfreitag
von Ursula Trippel, Pfarrerin in Neu Anspach
An Karfreitag verbinden wir in der Kirche das Abendmahl oft mit einem Beichtgebet. In diesem Jahr können wir nicht gemeinsam Karfreitag begehen. Trotzdem kann es ein Bedürfnis sein, Gott um Vergebung zu  bitten. Das ist auch in einem persönlichen Beichtgebet möglich. 
Da Gott mir vergeben hat, vergebe ich mir auch selbst
Beichteinladung
Vor Gott spreche ich aus, was mein Herz bedrückt, mein Versagen und meine Schuld:
Gott, ich bringe vor dich die Momente, in denen meine Liebe zu klein war.
Stille
Ich bringe vor dich die Momente, in denen es nur um mich selbst und um mein eigenes Recht ging.
Stille
Ich bringe vor dich die Zeiten, in denen ich Gutes unterlassen und Schädliches getan habe.
Stille
Ich bringe vor dich meine Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt und dem Leid in der Welt.
Stille
Ich halte dir die losen Enden meiner Bindungen und Beziehungen hin, die zerrissen sind.
Stille
Dies alles, Gott, bringe ich vor dich. Erforsche du mein Herz – und binde mich los von der Schuld.
Stille
Vergebung

„Wenn unser Herz etwas gegen uns weiß, ist Gott größer als unser Herz und weiß alles.“ (1. Joh 3, 20 BgS)
Ich vertraue mich mit allem, was ich bin, Gottes Weisheit an. Gott ist groß im Verzeihen. Das erkenne ich in Jesus Christus. In Gott wohnt alle Barmherzigkeit, die auch mir gilt.
Gebet
Du, Gott, ich berge mich in deine Barmherzigkeit.  Erneuere mich durch deinen Geist. Du vergibst mir meine Schuld. Hilf mir, auch mir selbst zu vergeben. Amen.
Segensbitte
Gott, segne mich und behüte mich. Gott, mache mein Herz weit und gebe mir Kraft. Amen.
© Zentrum Verkündigung der EKHN

 

Gott, gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.
– Reinhold Niebuhr zugeschrieben –

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
– Dietrich Bonhoeffer, 1944 –

 

Du übergibst mich nicht in die Hände des Feindes;
du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31).
Auf Dunkelheit folgt Licht.
Wir blicken nicht durch.
Sind unsicher, ängstlich.
Sehen es noch nicht.
Nach einer langen Durststrecke,
Zeiten auf schwierigem Gelände,
im finsteren Tal des Todesschatten
– geht es mit dir hoch hinaus, Gott.
Kleinere Schritte, ausschreitend,
achtsam, bewusst gesetzt,
weiblicher, aufrecht / aufrichtig,
lustvoll und leidenschaftlich.
Fest geschnürt, trittsicher,
nicht in die Ferse stechend,
auf schmalem Sto(e)ck(el) stehend,
getrost und gut dem Ziel entgegen gehend!
– D.B., 18.03.2020 –

 

Gemeinsam – ein Gebet geht um die Welt
Wenn ihr Euch einreiht in die Gebetskette – dann postet und teilt es.
Oder druckt es aus und hängt es in euer Fenster und Auto.
Räumlich getrennt aber geistlich verbunden, das wollen wir damit zeigen.
Es liegt hier in mehreren Sprachen vor.

Gott, unser Vater,
durch deinen Geist sind wir miteinander verbunden im Glauben, Hoffen
und Lieben.
Auch wenn wir in diesen Zeiten vereinzelt sind: Wir sind Teil der
weltweiten Gemeinschaft deiner Kinder.
Lass wachsen unser Vertrauen in deine Nähe und in die Verbundenheit
mit unseren Schwestern und Brüdern.
Die erkrankt sind, richte auf.
Mache leicht die Herzen der Einsamen.
Den Verantwortungsträgern gib Weisheit und Mut.
Stärke die Frauen und Männer im medizinischen Dienst:
Unseren Freunden und Partnern in der weltweiten Kirche stehe bei.
Uns allen schenke Ideen, unserer Verbundenheit Ausdruck zu geben.
Segne uns, o Herr! Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns
gnädig ewiglich!
Segne uns, o Herr! Deine Engel stell um uns! Bewahre uns in deinem
Frieden ewiglich!
Segne uns, o Herr! Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns
gnädig ewiglich!
Amen

1 Antwort auf „O Lord hear my Prayer“
  • Michael Brück sagt:

    Psalm 91

    Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
    und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
    der spricht zu dem Herrn:
    Meine Zuversicht und meine Burg,
    mein Gott, auf den ich hoffe.
    Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
    und von der verderblichen Pest.
    Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
    und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
    Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
    dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
    vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
    vor der Pest, die im Finstern schleicht,
    vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
    Denn der Herr ist deine Zuversicht,
    der Höchste ist deine Zuflucht.
    Es wird dir kein Übel begegnen,
    und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
    Denn er hat seinen Engeln befohlen,
    dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
    dass sie dich auf den Händen tragen
    und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

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