Interview mit himmel & erde

Wie störend es sein kann, wenn Kinder im Gottesdienst laut sind, haben die Mütter Anna Simon, Anke Rander, Anna Hundertmark und Lisa Niemeyer selbst feststellen müssen. Sie wussten abgesehen von den Familiengottesdiensten auch nicht, auf welche Art sie ihren Kindern den wöchentlichen Kirchenbesuch schmackhaft machen sollten. Aus diesem ganz persönlichen Wunsch heraus haben sie die Initiative ergriffen und selber ein regelmäßiges Angebot für Kleinkinder zwischen drei und sechs Jahren entwickelt. Dafür treffen sie sich zweimal im Monat während des Gottesdienstes für die Erwachsenen mit ihrer Kindergruppe und versuchen sie mit den Ritualen der Kirche vertraut zu machen. Die Eingangsliturgie wird noch gemeinsam mit den „Großen“ gesungen, danach geht es in den Vorraum des Luthersaals. Dort gibt es auch einen sehr regelmäßigen Ablauf. Zuerst setzt sich die Gruppe um einen Kerzenkreis und man kommt gemeinsam zur Ruhe. Es wird immer auch die letzte gemeinsame Veranstaltung besprochen, sodass die Kinder stolz sind, wenn sie noch alles wissen und dadurch die Aufmerksamkeit gesteigert wird. Zwischendurch werden immer wieder Lieder gesungen. „Alle, die regelmäßig kommen, kennen unsere Lieder inzwischen schon auswendig, weil wir bis auf Ausnahmen immer die gleichen Texte singen, damit die Kinder, die alle noch nicht lesen können, die Chance haben, mitzusingen“, erzählt Lisa Niemeyer. Alle Lieder werden mit einer Gitarre begleitet. Danach wird eine biblische Geschichte in kindgerechter Sprache erzählt. Diese wird dann kinderfreundlich aufbereitet und es wird gemeinsam zu dem Thema gebastelt. So lernen die Kinder auch die Grundlagen unseres Glaubens kennen und verstehen die wichtigsten Geschichten der Bibel. Den Müttern war es wichtig, dass ihre Kinder die Kirche in den Alltag integrieren und Gottesdienste sowie Geschichten über Gott und Jesus als etwas Normales und Schönes ansehen. Der gemeinsame Abschluss schließt ebenso wie in der „richtigen“ Kirche einen Segen ein. Dieser wird mit gemeinsamen Handbewegungen veranschaulicht und Niemeyer betont: „Wir wollen nicht die Rolle der Pfarrer übernehmen!“. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Familien der Gemeinde so besser kennenlernen und sich eventuell auch zwischen den Kindern neue Freundschaften entwickeln können. Deshalb freuen sich alle Beteiligten immer über neue Besucher.